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Fast 4.500 Menschen fordern sichere Radspuren - Nürnberger Politik zu zaghaft und zu zögerlich

Der VCD fordert nicht erst seit Beginn der Pandemie die Einrichtung einer sicheren und durchgängigen Radinfrastruktur in Nürnberg. Als Reaktion auf die Covid-19 Epidemie ist diese Forderung umso dringlicher – auch auf Kosten von Autofahrbahnen.

 

Denn das Rad gilt als das Verkehrsmittel der Stunde: Die Ansteckungsgefahr ist an der frischen Luft und aufgrund des Abstands geringer als im Öffentlichen Verkehr. Viele Menschen haben in der Coronazeit das Fahrrad für sich als Verkehrsmittel entdeckt. Gleichzeitig belegen viele Studien, dass dreckige Luft die Sterberate deutlich erhöht. Radverkehr verursacht im Gegensatz zum Autoverkehr weder Treibhausgase noch Luftschadstoffe. 

Allerdings klaffen im Nürnberger Radwegenetz gefährliche Lücken und viele Wege sind zu schmal, um den vorgegebenen Mindestabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern einzuhalten. Bevor sich die Radler auf ihren Wegen drängen, sollte der verfügbare Platz sinnvoll genutzt werden. Städte wie Berlin, Stuttgart, Düsseldorf und auch München haben es vorgemacht und gezeigt, wie solche ‚Pop-up Bikelanes‘ aussehen können. Sie schaffen eine sichere sowie attraktive Radinfrastruktur und bieten somit einen Anreiz vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Deswegen hat der VCD Kreisverband eine Onlinepetition ins Leben gerufen, die inzwischen fast 4.500 Unterstützer gefunden hat.

Die vom Verkehrsausschuss jetzt beschlossene Fahrradspur auf einem Teilabschnitt der Rothenburger Straße ist ein sinnvoller erster Schritt, dem aber rasch weitere folgen müssen. Sonst drängt sich der Verdacht einer Alibistrecke auf. Pop-Up Radspuren sind aber kein Selbstzweck, sondern können eine rasche Verbesserung an kritischen Stellen schaffen. Dies ist auch kurzfristig zur Gefahrenabwehr erforderlich!

Der VCD fordert vor allem Lückenschlüsse, die rasch ein attraktives Gesamtnetz für den Radverkehr schaffen. So sieht er in der Petition u.a. für folgende Strecken dringenden Handlungsbedarf:

  1. Bayreuther Straße zwischen Rathenauplatz und Nordostbahnhof auf beiden Seiten, da die vorhandene Infrastruktur lückenhaft und unsicher ist.
  2. Entlang des gesamten Altstadtrings, da dort viele Menschen mit dem Fahrrad und zu Fuß unterwegs sind und es immer wieder eng wird.
  3. Am Plärrer, dort fehlen an vielen Stellen Radverkehrsanlagen komplett oder die bestehenden Anlagen führen zu Konflikten mit dem Fußverkehr. Von den vielen Fahrspuren für den Autoverkehr kann problemlos je eine umgewidmet werden.
  4. Rothenburger Straße zwischen Oberer Kanalstr. und Fuggerstraße. Hier muss vor allem im Bereich der Bahnunterführung mehr Raum durch Umwidmung einer Kfz-Spur geschaffen werden. Die bereits geplante Maßnahme sollte dringend umgesetzt werden.
  5. Fürther Straße auf ganzer Länge, da der Radweg - wo vorhanden - keine ausreichende Breite und Sicherheit bietet. Die Stadt Fürth denkt bereits über eine Radspur auf der Nürnberger Straße nach.
  6. Maximilianstr. zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Fürther Straße. Hier wäre auch eine gemeinsame Umweltspur für Busse und Radverkehr zu überlegen.

Der VCD erkennt zwar an, dass kurzfristig sichere Lösungen an Kreuzungen schwieriger sind als auf der freien Strecke. Er kann die daraus gezogenen Schlüsse aber nicht nachvollziehen: Das kann doch nicht ernsthaft der Grund sein, dann die Verhältnisse entlang der Straße nicht trotzdem zu verbessern? Andere Städte schaffen es ja schließlich auch. Und auch für Kreuzungen gibt es Lösungen, zumal es unsicherer als der Status quo gar nicht werden kann.

Im Wahlkampf hatten sich alle Parteien die Förderung des Radverkehrs auf ihre Fahnen geschrieben. Dafür ist jetzt der Moment! Anstatt sich auf dem heutigen Beschluss auszuruhen, ist die Stadt daher gefordert, die Bedingungen für Radler rasch und möglichst flächendeckend weiter zu verbessern. Dabei darf es ruhig auch etwas mehr Mut zu Provisorien sein – in einer Krise ist schnelles Handeln gefragt.

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