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Pressemitteilung des Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisgruppe Kitzingen, betreffend das Interview mit Timo Meißner über den Zustand der Steigerwaldbahn

Pressemitteilung des Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisgruppe Kitzingen, betreffend das Interview mit Timo Meißner über den Zustand der Steigerwaldbahn
Gegen Versuche, die Steigerwaldbahn buchstäblich kaputtzureden, wendet sich die Kreisgruppe Kitzingen des  Verkehrsclub Deutschland (VCD) Mainfranken-Rhön. Mehr öffentliche Zurückhaltung in der Vertretung seiner eigenen betrieblichen Interessen empfiehlt der VCD dabei der Firma Gleisrückbau Meißner, die die Trasse der Steigerwaldbahn von Kitzingen über Gerolzhofen nach Schweinfurt im vergangenen Jahr von der Deutschen Bahn gekauft hat. Timo Meißner hatte in der vergangenen Woche in einem Interview der Mainpost den Zustand der Bahnstrecke als schlecht beschrieben und von kaputten Schwellen und abgefahrenen Gleisen gesprochen. „Von einem Schrotthändler ist natürlich nicht zu erwarten, dass er den Verkehrswert einer Eisenbahnstrecke erkennt, er wird darin nur Schrott sehen. Das ist so, wie wenn ein Vegetarier einen Metzger nach Ernährungstipps fragen würde“, so Peter Brandner vom VCD Kitzingen. Abgesehen davon, dass dem VCD über den Streckenzustand von fachlicher Seite andere Informationen vorliegen, geht die Beschreibung von Herrn Meißner am Eigentlichen vorbei: Entscheidend ist nämlich nicht der Zustand der Schienen und Schwellen – diese würden im Falle einer Reaktivierung für einen modernen ÖPNV ohnehin erneuert. Entscheidend ist vielmehr der Zustand des Oberbaus und der Brücken; diese aber sind noch durchgehend intakt.
„Die Tatsache, dass die Instandhaltung der Bahn vernachlässigt wurde, taugt nicht als Argument gegen sie. Wenn eine Straße in schlechtem Zustand ist, muss sie saniert werden; das ist bei Bahnstrecken nicht anders.  Die entscheidende Frage ist, hat die Strecke ein Verkehrspotential. Diese Frage wird gerade in München untersucht, nachdem die beiden Kreistage sich für die Strecke ausgesprochen haben. So lange sollte man abwarten und nicht den dritten Schritt vor dem ersten tun“, so Peter Brandner. Dabei sollte das Gemeinwohl der Steigerwaldregion den Vorrang vor einzelnen Privatinteressen haben.
Den Ratschlag, auf der Trasse einen Rad- und Spazierweg anzulegen, sollte sich die Öffentlichkeit von einem Gleisrückbauunternehmen verbitten; dies ist eine politische Frage, die anderswo entschieden wird. Der Hauptabschnitt der Strecke von Schweinfurt bis Großlangheim ist nicht entwidmet und darf daher von der Firma Meißner nicht angerührt werden.
Nach Ansicht des VCD wird heute jede Bahnstrecke für die Verkehrswende gebraucht. Im Sinne des Klimaschutzes hat die Bundesregierung gerade erst die Mehrwertsteuer für Bahntickets im Fernverkehr gesenkt sowie mit dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) umfangreiche Mittel auch für Bahnreaktivierungen bereitgestellt; diese Mittel müssen nur abgerufen werden. Die Zeiten, in denen Verkehrspolitik im Wesentlichen darin bestand, Straßen zu bauen und Bahnstrecken stillzulegen, sind schon seit Jahrzehnten vorbei; diese Erkenntnis sollte endlich auch in Unterfranken angekommen sein. Etwa 50 Bahnstrecken in Deutschland, die zum Teil in ähnlichem Zustand wie die Steigerwaldbahn waren, wurden in den vergangenen zwanzig Jahren mit Erfolg reaktiviert. So ist auch die Steigerwaldbahn eine Zukunftschance für die ganze Steigerwaldregion, die ernsthaft ins Auge gefasst werden sollte.

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