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Realitäten anerkennen - U-Bahnamt auflösen

Schon wieder hat ein Gutachten gezeigt, dass der weitere Ausbau des Nürnberger U-Bahnnetzes nicht sinnvoll ist. Dennoch träumen die Stadträte von SPD und CSU weiter von neuen Strecken und Bahnhöfen. Diese Form der Realitätsverweigerung ist unzeitgemäß und gefährlich: Für die Verkehrswende brauchen wir den konsequenten Ausbau des ÖPNV, aber Luftschlösser, die nicht finanzierbar sind und ohnehin frühestens in Jahrzehnten fertig wären, helfen da nicht weiter.

Die U-Bahn ist zweifellos ein leistungsfähiges und schnelles Verkehrsmittel. Sie eignet sich aber wenig für die flächenhafte Erschließung einer Stadt in der Größe Nürnbergs. Bei uns muss man zu oft umsteigen, da die 2 ½ U-Bahnlinien eben nur bestimmte Korridore bedienen können. Auf diese wird aller Verkehr gezogen. Eine umsteigefreie Straßenbahnfahrt kann aber deutlich attraktiver sein. Da unterwegs Wege- und Wartezeiten entfallen, ist auch die Reisezeit konkurrenzfähig. Hier gibt es noch erheblichen Ausbaubedarf!

Wenn die Experten zum wiederholten Mal erklären, dass es im Stadtgebiet einfach keine wirtschaftlichen U-Bahnen mehr geben wird, so müssen diese Signale gehört werden. Wenn die teure Verlagerung in den Untergrund nicht geht, so muss der Verkehrsraum an der Oberfläche neu verteilt werden. Gut gestaltet kann dies zum Gewinn für alle werden. Vor allem: Ein Kilometer Straßenbahn kostet nur ca. 20% von einem Kilometer U-Bahn.

Der VCD fordert die Stadtspitze auf, das von der Zeit überholte U-Bahnbauamt aufzulösen oder in ein breiter aufgestelltes Schienenausbauamt zu überführen. Es kann nicht angehen, das hier Projekte erfunden werden, nur um ein Amt zu beschäftigen, während anderswo die Planungskapazitäten fehlen.

Die Methodik der Standardisierten Bewertung kann sicher diskutiert werden. Aber auch auf dieser aktuell gültigen Fördergrundlage gibt es im Stadtgebiet etliche Ausbaumaßnahmen, die man längst hätte angehen können. Allen voran wird der Stadt von ihren Gutachtern seit den 1990er Jahren eine Straßenbahn durch die Altstadt empfohlen. Im seit 2012 in der Schublade liegenden Nahverkehrsentwicklungsplan wird für die Verbindung zwischen Hallertor und Laufer Tor ein überragender Nutzenfaktor von über 4,0 prognostiziert.

Statt sich weiter als glücklose Maulwürfe zu versuchen, sollten die Stadträte am Boden bleiben und das Naheliegende tun.

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