Bayern

Elektromobilität, Radverkehr, Fußverkehr, Bahn & Bus, Stadtplanung, Verkehrsplanung & -politik, Verkehrssicherheit

VCD Bamberg testet E-Scooter

Positiver Effekt nur, wenn der Verkehrsraum neu aufgeteilt wird.

Erich Spranger und Wolfgang Schenker vom VCD Bamberg haben sich mit dankenswerter Unterstützung der Stadtwerke Bamberg auf E-Scootern zwei Stunden ins städtische Getümmel gestürzt. Und siehe da: auch im fortgeschrittenen Alter war es gar nicht so schwierig. Allerdings: ein wenig Konzentration, Koordination und Routine sind vonnöten. Man kommt flott voran, überbrückt mühelos kurze Entfernungen und gleitet bei entsprechender Infrastruktur entspannt dahin. Richtungsanzeigen sind kaum möglich, da beide Hände am Lenker sein sollten, und ohne Rucksack oder Umhängetasche kann kein Gepäck transportiert werden.

Konzept der Stadtwerke

Jan Giersberg von den Stadtwerken Bamberg glaubt, dass E-Scooter helfen, den ÖPNV durch "Erschließung der letzten Meile" attraktiver zu machen und damit Autofahrer in den Bus zu locken. Falls die Testphase positiv abgeschlossen wird, werden 100 Scooter der Firma Bird den Nutzern ihrer App im Stadtgebiet zur Verfügung stehen und können wo immer problemlos ausgeliehen und abgestellt werden. Nachts werden die Scooter dann von Bird eingesammelt, zentral gewartet sowie geladen.

Unser Eindruck

Das kann funktionieren, denn in Bamberg ist jede 2. Autofahrt kürzer als 4 km. Eine höhere Attraktivität der Stadtbusse ist auch dringend nötig, denn der Anteil des ÖPNV bei der Verkehrsmittelwahl betrug 1997 bescheidene 13 % und ist bis 2015 sogar zurückgegangen auf beschämende 10 %.

Aber: Probleme sehen wir in der Bergstadt, denn vom Kopfsteinpflaster wird man doch ordentlich durchgerüttelt und bei der in vielen Bereichen mangelhaften Infrastruktur für Radler und Fußgänger scheinen Konflikte dort vorprogrammiert, wo auf engen Wegen auch noch Scooter um ihren Platz kämpfen.

Fazit

Scooter können helfen, den Autoverkehr in der Stadt zu verringern, aber nur, wenn man den Mut hat, den vorhandenen Verkehrsraum neu zugunsten des Umweltverbundes aufzuteilen.

Rainer Hauck vom VCD, Projektleiter "Pedelec statt Auto - aber sicher", wird in der TAZ vom 5. April wie folgt zitiert: "Jedes zusätzliche Verkehrsmittel macht die Wege voller. Deshalb muss die Radwegstruktur ausgebaut werden. Auch für die Fußgänger ist weniger Platz, wenn die langsameren elektronischen Fahrzeuge auf dem Fußweg fahren dürfen. Der Fußweg sollte für Fußgänger frei bleiben, auch um Kinder und Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu schützen."

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