Bayern

Luftreinhaltung, Verkehrsplanung & -politik, Pressemitteilung

Verkehrspolitik der Stadt Nürnberg: Auf ganzer Linie gescheitert

Nicht nur die jüngst von uns gemessenen hohen NO2 Schadstoffwerte, die den zulässigen Grenzwert an mehreren Stellen in der Stadt deutlich überschreiten, zeigen, dass in Nürnberg in Sachen Mobilität Einiges im Argen liegt.

So ist es zwar richtig, dass der Bund bei der Kontrolle der Autoindustrie versagt hat, wie die Stadtspitze nicht müde wird zu betonen. „Doch wer mit dem Finger auf andere zeigt, lenkt vom eigenen Versagen ab“, meint Berthold Söder, Sprecher des VCD Kreisverbands, und verweist auf die Fakten:

  • Der Anteil des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) an den in der Stadt zurückgelegtenWegenstagniert seit 20 Jahren zwischen 21 und 22%.
  • Das von der Stadt selbst gesteckte Ziel von 20 % Radverkehrsanteil bis 2015 wurde weitverfehlt. Aktuell sind es 13 %.
  • Der Motorisierte Individualverkehr (MIV) Anteil beträgt immer noch 43% und hat sich in denletzten 20 Jahren ebenfalls kaum verändert. Dabei ist Verkehr keine Naturgewalt, sondern gestaltbar.

Dass es auch anders geht, zeigen positive Beispiele kommunaler Mobilitätspolitik im In- und Ausland:

  • Die Stadt Freiburg hat einen Radverkehrsanteil von erstaunlichen 34% und einen Fußgängeranteil von 29%. Seit 1982 ist es gelungen, den MIV Anteil von 39% auf 21 % fast zu halbieren.
  • Wien erreicht mit 39% ÖPNV Anteil fast den doppelten Wert von Nürnberg. Seit 1993 konnte der Anteil um zehn Prozentpunkte erhöht werden.

Harald Oelschlegel vom Energiewendebündnis fordert die Stadt auf, endlich in die dringend nötige Verkehrswende einzusteigen: „Das hilft allen, denn weniger MIV bedeutet mehr öffentlichen Raum, mehr Lebensqualität, bessere Luft, weniger Lärm und höhere Attraktivität der Stadt.“

Die Stadt Nürnberg ist bereit, für den Ausbau des Frankenschnellweges mindestens 205 Mio. Euro (600 Mio. Euro abzgl. 395 Mio. Euro Zuschuss des Landes Bayern) auszugeben. „Diese Gelder müssen umgewidmet werden und in die Förderung einer umwelt- und menschenfreundlichen Mobilität fließen“, verlangt Peter Mühlenbrock vom Bündnis Radfairkehr. Zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung wird man nun um Fahrverbote nicht herumkommen. Das Verweisen auf Andere löst die Probleme nicht. Die Stadt kann und muss endlich tätig werden!

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