Können Realexperimente die Mobilitätswende befördern?

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Am 18. November 2025 lud der VCD Aschaffenburg-Miltenberg zum Zukunftsdialog Mobilität ein. Unter dem Titel „Einfach mal machen – Können Realexperimente die Mobilitätswende befördern?“ zeigte Dr. Jutta Deffner vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, wie Reallabore und Mobilitätsexperimente helfen können, nachhaltige Mobilität im Alltag erfahrbar zu machen und langfristig zu verankern. 


Was sind Mobilitätsexperimente – und warum braucht es sie?

Zu Beginn machte Dr. Deffner deutlich, dass Mobilität nicht nur ein technisches oder infrastrukturelles Thema ist, sondern tief in alltäglichen sozialen Praktiken verankert ist. Veränderungen benötigen nicht nur neue Wege oder Fahrzeuge, sondern auch neue Kompetenzen, Bedeutungen und passende Rahmenbedingungen

Genau hier setzen Mobilitätsexperimente an. Sie schaffen Lernorte der Transformation, in denen Menschen Alternativen ausprobieren, Routinen hinterfragen und neues Mobilitätswissen aufbauen können. Zentral ist das langfristige Testen neuer Optionen, etwa E-Bikes, Co-Working, ÖPNV-Alltagshilfen oder geteilte Mobilität. 


Erfahrungen aus transform-R und PendelLabor

Anhand aktueller Projekte veranschaulichte Dr. Deffner, wie groß das Potenzial solcher Experimente ist. Im Projekt transform-R und im PendelLabor testeten Teilnehmende in ländlich-suburbanen Regionen verschiedene Möglichkeiten, ihr Pendeln und ihre alltäglichen Wege nachhaltiger zu gestalten. 

Einige zentrale Erkenntnisse aus den Projekten:

  • Das Pendeln mit dem E-Bike wurde als deutlich stressärmer erlebt, obwohl es als etwas weniger bequem galt und meist mehr Zeit benötigte.
  • Viele Teilnehmende stellten fest, dass sie neue Routen ausprobieren, bewusster unterwegs sind und Bewegung im Alltag schätzen lernten.
  • Es zeigte sich ein hohes Potenzial für Modal-Shift: von multimodalen Wegen über ganzjährige E-Bike-Nutzung bis hin zur geplanten Anschaffung von Rädern oder dem Verzicht auf ein Zweitauto.
  • Veränderungen im Pendelverhalten beeinflussen häufig auch andere Bereiche wie Einkaufen, Freizeit oder Urlaubswege. 

Die Ergebnisse zeigen: Mobilitätsexperimente wirken als „Routinenbrecher“, die neue Perspektiven eröffnen – vorausgesetzt, die Infrastruktur unterstützt nachhaltige Optionen ausreichend. Dazu gehören sichere Radverbindungen, verlässlicher ÖPNV oder Sharing-Angebote in Wohnvierteln. 


Was lässt sich daraus ableiten?

Dr. Deffner zog ein klares Fazit: Mobilitätsexperimente helfen nicht nur Einzelpersonen, neue Wege zu finden, sondern liefern wertvolle Impulse für Kommunen, Unternehmen und Mobilitätsmanager.
Empfehlenswert sind u. a.:

  • Anreize für klimaschonende Mobilität (z. B. ÖPNV-Carsharing-Verknüpfung, Gesundheitsdividenden, Ausstattungszuschüsse),
  • individuelle Mobilitätsberatung,
  • und die Integration von Experimenten in kommunale Mobilitätskonzepte, inklusive wissenschaftlicher Begleitung. 
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